Mein Umweg und dann kam Corona

30.10.2021

Wege verlaufen nicht immer gerade, es gibt häufig viele Abzweigungen und Hindernisse. Auch auf meinem Weg zur Unternehmensberatung habe ich den einen, oder anderen Umweg eingeschlagen. Der größte Umweg war eine Ausbildung zur medizinischen Masseurin. Ich bereue diese keine Sekunde, denn die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und auch das medizinische Wissen, dass ich mir aneignen konnte, finde ich unglaublich bereichernd. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass ich falsch abgebogen war und überraschenderweise hat mir die Corona-Situation und meine Mitarbeit im Krisenstab geholfen zurück auf meinen ursprünglichen Weg zu finden.

Bildquelle: pixabay.com
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2019 bin ich durch das viele Training, den Sport und meine Mentalausbildung gedanklich weit abgekommen von meinem Wunsch Unternehmensberaterin zu werden. Ich habe gerne Klausuren zu den Bereichen Teamentwicklung gemeinsam mit Unternehmensberatern abgehalten, aber mein Fokus hatte sich zu diesem Zeitpunkt verschoben. Ich war so euphorisiert von der Bewegung und dem Sport, dass ich mich hier gerne weiterentwickeln wollte. Zunächst war meine Idee Physiotherapeutin zu werden, ich schaffte aber die Aufnahmeprüfung nicht. Rückschläge haben mich jedoch noch nie einfach abhalten können, denn aufgeben liegt nicht so in meiner Natur.

Ich habe mich daher ein wenig umorientiert und mit der Idee angefreundet eine Ausbildung zur Heilmasseurin zu machen. Mir gefiel es eine Tätigkeit auszuüben, die Menschen helfen konnte ihre Schmerzen zu überwinden, sie zu heilen und sie dann vielleicht auch noch zu einem Veränderungs- und Entwicklungsprozess zu ermutigen. Viele körperliche Probleme lassen sich tatsächlich auch mit Massagetechniken lösen, denn durch den vorhandenen Bewegungsmangel und die zumeist falsche Haltung kommt es zu Muskelverspannungen. Diese Verspannungen können zur Folge haben, dass der Gelenke in falschen Positionen gehalten werden, und zu vermehrter Abreibung führen, oder die Nervenleitungen beeinträchtigen. Vieles, dass sich durch eine klassische Massage sehr gut behandeln lies.

Vor Allem die Akkupunkturmassage faszinierte mich aber auch immens. Ich halte mich persönlich eher für ein bisschen skeptisch, was Arbeit mit "Energie" betrifft. Aber die Akkupunktur hat mittlerweile auch ihren Weg in die Schulmedizin gefunden, da viele unabhängige Studien die Wirksamkeit belegt haben. Und auch die Akkupunktmassage, welche aus der TCM kommt, hat eine ähnlich hohe "Heilungsrate". Ich war dennoch immer wieder selbst fasziniert, wenn die PatientInnen beschrieben, dass die Schmerzen nach der Behandlung verschwunden wären und auch geblieben sind.

Diese Erfahrungen in meiner Ausbildung hatten eine unfassbare Faszination auf mich und ich wollte daher als Heilmasseurin selbstständig machen. Generell hatte ich ja schon sehr lange den Wunsch gehegt mich selbstständig zu machen. Doch dann holte mich die Realität ein: Das erforderliche Pflichtpraktika (nur für den medizinischen Masseur, mit dem ich nur als Angestellte hätte arbeiten dürfen) hätte für mich 1 Jahr gedauert, da ich dies nur berufsbegleitend absolvieren könnte. Darüber hinaus hätte ich hier keine Entlohnung bekommen, hätte aber das Stundenausmaß in meiner eigentlichen Arbeit drastisch reduzieren müssen. Des Weiteren konnte man Praktikumsplätze fast nur in Kur- und Rehazentren, sowie in Krankenanstalten finden. Hier war die Behandlung der Menschen Massenabfertigung: 12 Minuten pro Person. Das entsprach so gar nicht meiner Vorstellung, und auch nicht dem, was ich den Menschen anbieten wollte. Ich war dennoch bereit dieses Praktikum zu absolvieren, denn ich wollte mich ja schon immer auch unbedingt selbstständig machen, außerdem wollte ich keinesfalls aufgeben! Doch dann kam Corona, in dem Monat, in dem mein Praktikum hätte beginnen sollen.

Da durch die Corona-Situation meine Massageausbildung vorerst stillstand, habe ich meine Energie in die Arbeit im Corona-Krisenstab investiert. Aufgrund meiner Zugänge und Sichtweisen wurde ich zunächst eine Art Qualitätsmanagerin und entwickelte mich dann weiter zu einer Art Prozessmanagerin. Im Endeffekt war ich dann zuständig für die Ausarbeitung aller Ablaufprozesse und für die Weitergabe der Informationen, sodass alle MitarbeiterInnen denselben Informationsstand hatten. Die Abläufe mussten immer effizienter funktionierten, um den täglich wachsenden Anforderungen auch standzuhalten. Eine weitere Herausforderung war die ständig wachsende Anzahl an MitarbeiterInnen. Es wurden Rollen und Funktionen geschaffen, um die Abarbeitung des massiven Arbeitsanfalls bestmöglich zu gewährleisten. Nicht alle Ideen waren gut und die ständigen Veränderungen ermüdeten die MitarbeiterInnen. Es gab immer wieder große Unzufriedenheiten und Frustrationen. Die Anforderungen an mich waren enorm und wuchsen beständig. Ich hatte jedoch durch CORONA die Möglichkeit in eine Führungsrolle hineinzuwachsen und hier großartige Erfahrungen zu sammeln und mich persönlich immens weiterzuentwickeln.

Die vorübergehende Tätigkeit im Krisenstab hat mich dann wieder daran erinnert, wie sehr mich diese Arbeit interessiert und es mich begeistert mich mit unternehmerischen Prozessabläufen auseinander zu setzen und diese zu optimieren. Eine der Erfahrungen, die ich gemacht habe, ist dass nichts, ohne engagierte und motivierte MitarbeiterInnen funktioniert hätte. Ich habe in meiner Rolle daher auch viel Zeit damit verbracht mir die Zeit für die MitarbeiterInnen zu nehmen, um Ihnen die Möglichkeit zu geben Fragen zu stellen, Kritik zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu machen. Dieses Angebot kostete unfassbar viel Zeit, sorgte aber für eine höhere Zufriedenheit und bessere Mitarbeit. Dies wurde mir ein halbes Jahr nach meinem freiwilligen Ausscheiden aus dieser Tätigkeit mehrmals von KollegInnen, die noch immer zum Teil im Stab arbeiten, rückgemeldet.

Für meine Erfahrungen und meine, durch die Tätigkeit im Krisenstab, gewonnen Erkenntnisse bin ich unglaublich dankbar. Mir wurde hierdurch bewusst, dass ich meinen Weg zur Unternehmensberaterin unbedingt wieder aufnehmen wollte. Ich möchte hier meine Erfahrungen und Erkenntnisse weitergeben, sowohl jene aus der Gesprächsführung und Kommunikation, als auch jene aus dem Krisenstab.